Licht und Schatten - Die 2 Aspekte des Unbewussten

Es gibt innerhalb der verschiedenen psychologischen Ansätze, sehr grob unterteilt, mindestens 2 Gruppen von Konzeptionen des Unbewußten:

Die eine Gruppe (z.B. in derErickson’schen Hypnotherapie & NLP) sieht das Unbewusste vor allem als Reservoir aller Ressourcen, Stärken, positiven Kräfte und Möglichkeiten an, die es zu aktivieren gilt.

Dia andere Gruppe (z.B. Psychoanalyse, Individualpsychologie) sieht das Unbewusste als den Hort aller verdrängten “negativen” Erlebnisse und abgelehnter Persönlichkeitsanteile an.

Welche Konzeption ist nun die Richtige? Gemäß der integrativen Ansatzes, den ich verfolge, ist die Antwort: Beide.

Das “gute” Unbewusste

Milton Ericksons positive Konzeption des Unbewussten - in dem immer und jederzeit alle Ressourcen zur Verfügung stehen, die ein Mensch braucht, um seine Probleme zu lösen - war und ist ja vor allem anderen ein sehr hilfreicher linguistischer Trick, der sich wunderbar als hypnotisches Werkzeug nutzen lässt:

Wann immer jemand sich seiner Probleme bewusst ist und zu stark auf sie fokussiert, also “bewusst” keinen Ausweg weiss, kann der mit ‘Hypnose’ arbeitende Therapeut oder Coach Variationen des Satzes nutzen:

“Ganz richtig, Dein Bewusstsein kennt noch keinen Ausweg.
Dein Unbewusstes jedoch hat längst Möglichkeiten und Wege gefunden, wie Du kraftvoll und kreativ mit diesem Thema umgehen kannst…”

Die Unterscheidung BEWUSST - UNBEWUSST ermöglicht es so, unterstützende Ressourcen zu aktivieren, die der betreffende Mensch ja nunmehr ohne Zweifel hat - sie sind ihm halt nur unbewusst.

Das Gute und Wirksame an diesem Ansatz ist, dass er sich kaum widerlegen lässt: Denn was unbewusst ist, kann ich nicht anzweifeln, denn Zweifeln kann ich nur an dem, was mir bewusst ist.

So kann ich mich also getrost auf “mein Unbewusstes” verlassen, indem all die guten und positiven Ressourcen gespeichert sind - und erlebe so oft, dass sich Lösungen und Veränderungen auf ganz leichte Art und Weise einstellen.

Grenzen des “guten” Unbewussten

Ich selbst komme, in meiner Praxis als Coach und Trainer, von diesem positiven Konzept des Unbewussten her und habe durch die verschiedensten Anwendungen dieses Ansatzes oft verblüffende Veränderungen anstossen können.

Gleichzeitig jedoch bemerkte ich im Laufe der Jahre, dass dieses Konzept nicht immer aufgeht und vor allem nicht notwendig zur Weiterentwicklung des Menschen führt.

Ich stieß mit dieser Herangehensweise immer wieder an Grenzen: Egal wie hoch die Dosis an Selbsthypnose, egal wie präzise die Anwendung von NLP Techniken - bestimmte Themen holten meine Klienten immer wieder ein. 

Daraufhin fielen mir zunehmend die Freud’schen und allen voran Jung’schen Ansätze in Bezug auf das Unbewusste wieder ein, mit denen ich mich während meines Studiums bis zum sprichwörtlichen ‘Erbrechen’ auseinandergesetzt hatte:

Das “dunkle Seite” des Unbewussten

C.G. Jung nennt einen Teil seiner Konzeption des Unbewussten den “Schatten” - dies sind alle von einem Menschen verdrängten, abgelehnten, ungewollten Anteile seiner Persönlichkeit.

Und je mehr und intensiver diese Anteile in den ”Schatten” abgedrängt werden, desto vehementer brechen sie in den unpassendsten Situationen hervor.

Wenn ich z.B. Agression sehr stark (in mir) ablehne, geschehen 2 Dinge:

a) Ich nehme sie mehr in Anderen wahr und rufe sie unbewusst manchmal sogar hervor. (Projektion)
b) Ich werde manchmal selbst von  scheinbar unkontrollierbarem Zorn überwältigt.

Das ist auch einer der Mechanismen, der zu wiederkehrender Selbstsabotage oder sich oft wiederholenden Problemkonstellationen führt.

Da kann man nun z.B. unendlich lange mit Hypnose arbeiten und sich etwas anderes “einreden” - solange der abgelehnte Anteil nicht als eigener anerkannt und integriert wird, ist die angestrebte Veränderung sehr selten nachhaltig.

 

Das Spektrum des Unbewussten

Üblicherweise nehmen die Verteter dieser beiden scheinbar gegensätzlichen Konzeptionen des Unbewussten sehr extreme konträre Positionen ein:

Im NLP wird meist jede Arbeit mit “dunklen Anteilen” oder überhaupt die allzu ausufernde Beschäftigung mit Problemen abgelehnt und als “Therapie” oder “Theorie” verunglimpft - dieser anti-therapeutische und anti-akademische Affekt haftet dem NLP seit Beginn an.

In der Psychoanalyse werden lösungsorientierte hypnotische Ansätze ganz einfach als obeflächlich und nicht tiefgehend genug abgetan.

Ich glaube dagegen, dass sich beide Aspekte des Unbewussten sehr gut und gewinnbringend kombinieren lassen und bin in meiner Arbeit in  Training und Coaching immer mehr dazu übergegangen, mit Anregungen aus beiden Richtungen zu arbeiten.

Das Ergebnis ist mehr Nachhaltigkeit als zuvor und vor allem das Gefühl meiner Klienten und Seminarteilnehmer, sich wirklich als ganzer Mensch weiterzuentwickeln - statt nur hypnotische Tricks anzuwenden oder nur in Problemen zu wühlen.

Alles Liebe

    Niels Koschoreck

 

P.S.: Wie man im Coaching mit beiden Aspekten des Unbewussten arbeitet ist u.a. Thema der Integrativen Coach Ausbildung ab 8. Juli.
Eine fortgeschrittene Form der Vewendung von Hypnose im Alltag ist das Thema auf meinem Seminar “Aufwachen!” - Hypnose * Selbsthypnose * Massenhypnose vom 29.07.10 bis 01.08.2010. (Details folgen)

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